Oberthema im Corporate Learning Camp ist das Lernen in Unternehmen im weitesten Sinne. Das CLC16 am 13.-14. 10. 2016 in Frankfurt war mit 300 Teilgebern das größte Barcamp, das ich je miterlebt habe. Und es hat sich mal wieder gelohnt.

Ich komme gerade rechtzeitig in einen großen Saal voller interessierter Gesichter. Die Grußworte der Hausherren des Gebäudes werden nach wenigen Minuten von an dieser Stelle lautstärkemäßig irgendwie nicht angemessenem Applaus unterbrochen. Der professorale Sprecher versteht das Signal richtig als Barcamp-immanente Vorfreude auf relevante Inhalte und macht den Weg frei.

Als Hausherr des Barcamps moderiert Karl-Heinz Pape souverän an. Woher kommt ihr? Business, Uni, Freiberuf? Barcamp-Neulinge? Nur die Hälfte sind neu, kein Problem! Es folgt eine kompakte Barcamp-Erklärung in 15 Minuten.

Dann beginnt die Vorstellungsrunde mit 300 Teilgebern, ich bekomme ein mulmiges Gefühl. Karl-Heinz macht vor wie es geht: Name, Firma und dann nur ZWEI Tags. Dann nimmt er den dran, der rechts vorne steht und es geht zügig voran. Einer schickt sich an, bereits sein Sessionthema samt Hintergrundinformationen in die Tags einzuflechten. Karl-Heinz geht derweil langsam und achtsam auf ihn zu, der Redner besinnt sich auf seine zwei Tags, verstehendes Lachen im Saal. 35 Minuten später haben tatsächlich alle Teilgeber rudimentäre Informationen über sich preisgegeben. Nicht zuletzt dank vieler humorvoller Einwürfe bin ich besser drauf als ich es nach nur 1 Minute Rede ohne für mich persönlich wesentliche Informationen bin.

Dann die Sessionplanung. Die Initiatoren stürzen sich massenhaft nach vorn, ich bekomme schon wieder dieses mulmige Gefühl. Nach weiteren 35 Minuten steht die Sessionplanung, 5 Minuten über die Zeit. Karl-Heinz verkürzt den Zeitrahmen der ersten Session um ebendiese 5 Minuten und verhindert den zu erwartenden Mega-Stau vor dem Sessionplan durch Vorlesen der ersten 7 Sessions, bevor ich das erwartete mulmige Gefühl bekommen kann. Alles wieder im Lot, auf gehts!

Auch wenn im CLC16 Smart Learning und Integration als Schwerpunkte aufgerufen waren, umfasst der Sessionplan das volle Spektrum des Lernens. So ist das im Barcamp, und das ist gut so. Als langjährigen EduCamper überrascht mich, was mittlerweile alles gemacht bzw. angedacht wird, wo ich gerade mal zwei Jahre nicht dabei war. Die Sessionthemen erstrecken sich von 3D-Virtual-Reality über Corporate Academy bis hin zum Improvisationstheater.

300 durch 7 parallele Sessions macht rechnerisch gut 40 Teilgeber pro Session. Ja, die Sessions sind voll, aber das mulmige Gefühl bleibt aus. Trotz großer Auswahl hält sich für mich der Verpass-Faktor in Grenzen. Ich interessiere mich mehr für generelle pädagogisch/organisatorische Themen als für Digitalisierung. In diesem Themenbereich bewege ich mich zuhörend und teilgebend über den ganzen Tag. Die Zeit in Barcamp-Trance vergeht mal wieder wie im Flug. Weder Mittag- noch Abendessen können sie unterbrechen, es arbeitet in mir bis in die Nacht hinein.

In Phasen spannender Eindrücke und hoher Kreativität werde ich gewöhnlich nachtaktiv, so auch heute. Ich nehme mir vor, am zweiten Tag meine eigentlich für den ersten Tag angedachte Session anzubieten. Ich arbeite ETLICHE neue Gedanken ein, die mir mein Hinterhirn als Ergebnis des nächtlichen und überwiegend unterbewussten Barcamp-Verarbeitungsprozesses liefert. Just in Time. Vermutlich unter dem Eindruck allgegenwärtiger "Anglification" bei der Bezeichnung innovativer Ansätze erfindet mein Hinterhirn-Autopilot eine solche für mein Konzept einer unternehmenseigenen Bildungsgemeinschaft: Corporate EduMunity. Google wirkt überraschenderweise überfragt und adelt so das Konzept immerhin als begriffliche Innovation.

Auch der zweite Tag (Karl-Heinz: "Qualitätstag") ist wieder voller Eindrücke, Begegnungen und Erkenntnisse in produktiver Barcamp-Trance. Ich bin rechtzeitig um 2 vor 9 da und setze setze mich so, dass ich diesmal Anderen den direkten Weg zur Sessionvorschlags-Schlange abschneiden kann und nicht wie gestern zwischen festen Sitzreihen und Teilgebermassen eingeklemmt bin.

Ich lasse es etwas entspannter angehen und komme zu spät zu den beiden ersten Sessions. Meine Session ist im dritten von fünf Zeitfenstern, da bin ich natürlich pünktlich. Ich bin nicht einmal aufgeregt, obwohl ich das Konzept zum ersten Mal so vortrage. Die Teilgeber sind teils beeindruckt, aber es gibt auch berechtigte Kritik. Zwei Einwände arbeite ich direkt in das Konzept-Mindmap ein und freue mich über die Entwicklungsarbeit, die hier gerade gemeinsam geleistet wird. Das aktualisierte Konzept-Mindmap twittere ich wie vereinbart direkt im Anschluss an die Session noch aus dem Sessionraum in den #CLC16-Äther.

Auch wenn mehrere Teilgeber meine Session im Verlauf verlassen, freue ich mich am Ende des Tages über nicht weniger als fünf Kontakte zu Personen in Personalverantwortung, die eine Umsetzung des Konzeptes in ihrem jeweiligen Unternehmen in Erwägung ziehen. Ein Teilgeber empfiehlt mir darüber hinaus den Kontakt zu einem Anderen, der offenbar eine sehr ähnliche Denkweise entwickelt hat. Auch diesen Kontakt stelle ich sofort her, er führt zu einem vielversprechenden Austausch unmittelbar nach dem offiziellen Ende des Barcamps.

Was nehme ich mit? Neue Kenntnisse und Erkenntnisse, Eindrücke, ein weiterentwickeltes Konzept, eine Handvoll interessanter Kontakte. Jetzt sitze ich im Zug und werde soeben noch rechtzeitig vor Oldenburg fertig mit diesem Bericht, dessen Erstellung mir viel Spaß gemacht hat. Wie sagte Karl-Heinz in seiner Session zu Twitter als Lerntool: "Beiträge in Sozialen Netzwerken sind subjektiv". Bin ich auch, und das gefällt mir. Keine Frage: Für mich hat sich das CLC16 in jeder Hinsicht gelohnt!

Vielen Dank an alle Teilgeber, das Orga-Team und die Hausherren! Es war wirklich toll, ich freue mich schon auf das nächste Mal :-)

PS: Als ich zuhause war, habe ich diesen Bericht nochmal überarbeitet. Ich denke mal, dass er nun fertig ist. #ichgehjetztendlichmalschlafen